Berlin, 25. Oktober 2007 Umfrage des Marburger Bundes Berliner
Klinikärzte leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen Die
Ärztinnen und Ärzte in den Berliner Krankenhäusern sind mit ihrer
Arbeitssituation extrem unzufrieden. 57 Prozent der Mediziner beklagen eine
Überschreitung der festgesetzten Höchstarbeitszeitgrenzen, bei gut jedem
zweiten erfolgt keine Erfassung und Überwachung der Arbeitszeiten und 80
Prozent leisten wöchentlich zwischen 50 und 80 Arbeitsstunden. Das ist das
erschreckende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Ärztegewerkschaft
Marburger Bund (MB), an der sich 755 Berliner Klinikärzte beteiligten. „Die Krankenhäuser
in Berlin halten sich nicht an tarifvertragliche Regelungen und unterlaufen
gezielt das deutsche Arbeitszeitgesetz“, zeigte sich der Vorsitzende des
Marburger Bundes, Dr. Frank Ulrich Montgomery empört. Hauptleidtragende seien
neben den Ärzten auch die Patienten, die von überlasteten und demotivierten
Ärzten behandelt würden. In etlichen Bereichen sind laut Umfrage die Arbeitsbedingungen der Hauptstadtmediziner
deutlich schlechter als die der Ärzte im Bundesdurchschnitt. So leisten 76
Prozent der örtlichen Klinikärzte wöchentlich zwischen fünf und 30 Überstunden,
während dies bundesweit 72 Prozent der Ärzte tun. Berlins Krankenhausärzte
müssen sich auch eine schlechtere Vergütung der geleisteten Überstunden
gefallen lassen. Während im Bundesdurchschnitt gerade mal 10 Prozent der Ärzte
ihre Überstunden vergütet bekommen, sind es in Berlin klägliche fünf Prozent.
Der Geschäftsführer des Marburger Bund Landesverbandes Berlin/Brandenburg,
Manfred Husmann, bezeichnete die Arbeitssituation der Hauptstadtmediziner deshalb
als „skandalös“. Er forderte die Klinikarbeitgeber auf, ihren tariflichen
Verpflichtungen endlich nachzukommen, um Ärzten menschenwürdige
Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Unerträglich hoch ist nach Informationen Husmanns auch die Anzahl der
Bereitschaftsdienste in Berliner Kliniken. Ganze 44 Prozent der Ärzte werden
angehalten, fünf bis neun solcher Dienste pro Monat zu leisten. Die
Klinikarbeitgeber befänden sich damit in einem Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz,
da Ärzte im Schnitt monatlich maximal vier bis fünf Bereitschaftsdienste erbringen
dürfen. Nicht akzeptabel sei zudem, dass 90 Prozent der Berliner Kliniker
täglich zwischen einer und mindestens vier Stunden für patientenfernen
Papierkram und Bürokratie aufwenden müssen.
Ergebnisbericht der Umfrage (PDF)
Ergebnisbericht der Umfrage (PDF)