Kampagne zur Verbesserung des Praktischen Jahres im Medizinstudium
Die gemeinsame Kampagne des Marburger Bundes und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands informiert durch gezielte Aktionen an Universitäten und bei gesundheitspolitischen Veranstaltungen über die Mängel im PJ und ihre alarmierenden Konsequenzen. Mit einer Wanderausstellung und Plakataktionen wurde 2009 bundesweit auf die miserablen Ausbildungsbedingungen im Praktischen Jahr aufmerksam gemacht.
Hintergrund der PJ-Kampagne
Routine- und Handlangertätigkeiten statt Ausbildung
Studierende
im Praktischen Jahr treten zunehmend an den Marburger Bund heran und
beklagen sich über mangelhafte Ausbildungsbedingungen im Praktischen
Jahr. Sie berichten darüber, dass sie zunehmend ausgenutzt werden, um
simple Routinetätigkeiten und Handlangertätigkeiten im Krankenhaus zu
erbringen. Diese Tätigkeiten müssten ansonsten überwiegend von
Pflegepersonal erbracht werden.
Als Beispiel werden dabei immer
wieder genannt: Blutentnahmen durchführen, Operationshaken halten,
Infusionen anhängen, Akten suchen, Röntgenbilder suchen,
Botentätigkeiten durchführen.
Ärztliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten werden dabei weder vertieft noch erweitert!
Kein Wettbewerb durch Mobilitätseinschränkungen
Verschärft
wird diese Situation dadurch, dass PJ-Studierende ihre
Ausbildungsstätte, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt wählen
können. In der Regel sind PJ-Studierende an die Zuteilung ihrer
Universität gebunden. Die Universitätskliniken teilen PJ-Studierende
zum einen in den eigenen Abteilungen ein. Zum anderen benennen sie
Akademische Lehrkrankenhäuser immer weniger nach dem Kriterium „Gute
Lehre“, sondern wählen Kliniken immer mehr nach strategischen
Gesichtspunkten auf dem lokalen Gesundheitsmarkt aus. Profitiert wird
durch wohlwollende Patientenzuweisungen. Im Gegenzug werden von den
Universitätskliniken PJ-Studierende als kostenlose Arbeitskräfte zur
Verfügung gestellt. Das hat aus unserer Sicht nichts mehr mit dem
Abschlussjahr eines Hochschulstudiums zu tun, sondern das ist
schlichtweg eine moderne Art der Versklavung!
Beispiel:
Man
stelle sich vor Studenten der Betriebswirtschaft dürften ihre
Betriebspraktika ausschließlich in der Universitätsverwaltung
absolvieren und würden dort abgestellt um Kopien zu machen und die
Ablage abzuheften. Das ist doch wirklich grotesk!
Folgen:
Die
Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum hat im
vergangenen Jahr eine umfassende Umfrage unter Medizinstudenten
vorgestellt. Darin kommt die systematische Demotivation im Praktischen
Jahr mehr als deutlich zum Ausdruck:
Auf die Frage: „Hat sich die Einstellung zur Berufswahl verändert?“ antworteten von allen Befragten 33,1% mit „ja- negativ“. Von den befragten PJ-Studenten antworteten 48,7% mit „ ja-negativ“.
Auf die Frage „Würden sie wieder Medizins studieren wollen?“ antworteten insgesamt 61,7% mit „ja, immer wieder“. Von den befragten PJ-Studierenden antworteten hingegen nur 45,7% mit „ja- immer wieder“
Wozu
diese Bedingungen führen ist allseits bekannt und erschreckend. 42,1%
der Befragten Studenten halten eine nicht-kurative Tätigkeit für
denkbar oder streben diese gezielt an.72,7% können sich eine Tätigkeit
im Ausland vorstellen. Aus unserer Sicht wird die Grundlage für diese
massive Unzufriedenheit im Studium und dabei verschärft im Praktischen
Jahr geschaffen. Ärzte- und patientenfeindliche Gesundheitspolitik tut
ihr Übriges dazu.
Das Praktische Jahr
Gesetzliche Grundlage: Approbationsordnung § 3
(MB/04.12.2009)
Positionspapiere
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