Berlin, 27. Januar 2009 - Nr. 06/09
Kampagne zur Verbesserung des Praktischen Jahres im Medizinstudium
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) haben heute in Berlin ihre gemeinsame Kampagne zur Verbesserung des Praktischen Jahres (PJ) vorgestellt. Beide Organisationen kritisierten die 12monatige praktische Ausbildungszeit am Ende des Medizinstudiums als „Ausbeutung“, da der medizinische Nachwuchs innerhalb dieser Phase immer häufiger als „billige Arbeitskraft“ in den Kliniken missbraucht würde. So stünden statt einer umfassenden und strukturierten praktischen Ausbildung, die Raum für das Selbststudium lasse, häufig Routinetätigkeiten und die volle Einbindung in den Stationsbetrieb im Vordergrund. Außerdem verstärkten fehlende Wahlmöglichkeiten der Ausbildungsstätte innerhalb Deutschlands die schlechte Ausbildungssituation der Studenten im PJ. So würde der medizinische Nachwuchs von vielen Universitätskliniken teilweise strategisch an eigene Kliniken oder Partnerkrankenhäuser zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung vermittelt. Ein Ziel dieser Kampagne sei es deshalb, Medizinstudenten die Chance zu geben, frei innerhalb Deutschlands ein Krankenhaus zum Absolvieren ihres Praktischen Jahres zu wählen.
„Konkurrenz belebt die Ausbildungsqualität. Es muss endlich Schluss damit sein, dass PJ-Studenten zu Verwaltungs- und Hilfsarbeiten herangezogen werden und die Lehre meist nur eine sekundäre Rolle spielt“, so Patrick Weinmann, Studentensprecher des Marburger Bundes. Für die Berufseinstellung des Medizinernachwuchses haben die bisherigen Lehr- und Arbeitsbedingungen fatale Auswirkungen. So belege eine Studie der Ruhr-Universität Bochum, dass knapp die Hälfte aller PJ´ler ihre Einstellung zur eigenen Berufswahl negativ verändert habe. Sogar rund 70 Prozent der Befragten erwägten, ins Ausland zu wechseln. „Unsere Hauptforderungen an die Politik und die Ausbildungsstätten lauten deshalb, mehr Mobilität für Studenten zu gewährleisten sowie die Ausbildungsqualität im PJ zu verbessern. Das Praktische Jahr ist ein essentieller Bestandteil des Medizinstudiums, denn nach PJ und Staatsexamen müssen die Studierenden in der Lage sein, die Tätigkeiten als Arzt auszuüben“, so Dominique Ouart, Präsident der bvmd. Medizinstudenten dürften folglich nicht als Lückenfüller in unterbesetzten Abteilungen eingesetzt werden. Dies führe zudem zu Frustration und einer zunehmenden Abwendung des medizinischen Nachwuchses von der kurativen Medizin mit gravierenden Folgen für das ohnehin von Ärztemangel betroffene Gesundheitssystem.
Die gemeinsame Kampagne der beiden Organisationen soll in den kommenden Wochen und Monaten durch gezielte Aktionen an Universitäten und bei gesundheitspolitischen Veranstaltungen über die Mängel im PJ und ihre alarmierenden Konsequenzen informieren. Mit einer Wanderausstellung und Plakataktionen werde bundesweit auf die miserablen Ausbildungsbedingungen im Praktischen Jahr aufmerksam gemacht. Medizinstudenten sollen dazu animiert werden, ihre Änderungswünsche an die Verantwortlichen der Länder zu adressieren. Auf vorgedruckten Postkarten an den Präsidenten der Kultusministerkonferenz soll gezielt auf die Missstände im Praktischen Jahr hingewiesen werden, um eine Verbesserung in der Ausbildungsqualität des PJ zu erreichen.